Fünfter Dezember

Türchen 5, 2025

Weihnachten wird abgeschafft
Dr. Daniela Preiß

Weihnachten wurde schon zum Problem, bevor es dieses Jahr den ersten Lebkuchen im Supermarkt gab. Wilfried Klausen, der Bürgermeister von Kleinkirchheim, seufzte tief. Weihnachten. Schon wieder.
Er blätterte durch die Zahlenkolonnen des Haushaltsplans, als könnte sich zwischen »Sachkosten« und »Straßenbeleuchtung« heimlich der Posten »Wunder« verstecken. Aber an Kleinkirchheim hatte der Weihnachtsmann noch nicht gedacht. War ja auch viel zu früh dafür, gestand sich Klausen ein und rief die engsten Mitarbeiter zu einer Sondersitzung zusammen.
Gespannt schauten sie ihn an. Er war ein korpulenter Chef Mitte 40, hatte schütteres Haar und wirkte in seinem Anzug oft wie falsch geparkt. Aber die Bürger sagten auch, dass er das Herz am rechten Fleck trug.
Jetzt rückte er die Brille auf seinem Nasenrücken zurecht. Was er mitzuteilen hatte, bereitete ihm offensichtlich Bauchschmerzen.
„Also“, fing er dennoch an, „wir haben ein Problem wegen Weihnachten. Es reicht nicht in der Kasse, dass wir einen Weihnachtsmarkt veranstalten könnten. Und Personal zum Schmücken haben wir auch nicht, weil so viele krank sind.“
Die verbliebenen Amtsleiter starrten betreten auf ihre Papiere. Einer zupfte an seiner Krawatte, eine andere blätterte fahrig in einem Ordner mit der Aufschrift »Hundesteuersatzung«. Es roch nach kaltem Kaffee und nahendem Unheil.
Schließlich räusperte sich Herr Findeisen aus dem Ordnungsamt, der sonst nur mutig wurde, wenn jemand gegen das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden verstieß. Nun huschten seine Augen durch den Konferenzraum. „Ich fürchte, Äh … Da bleibt nur eines: Weihnachten wird abgeschafft.“
Nach diesen Worten breitete sich eine solche Stille aus, dass man das Ticken einer Uhr bemerkte, die um Findeisens Handgelenk lag. Ungläubig starrten die Kollegen ihn an, bis Frau Buchner vom Kulturamt fauchte: „Sind Sie noch ganz bei Trost?“
„Na, ich meine doch nur …“ Findeisen rang die Hände.
„Weihnachten abschaffen?“, japste der Personalchef, „und was sage ich dann meiner Schwiegermutter? Die meckert doch von früh bis spät.“
Die Finanzleiterin hatte andere Sorgen. „Wie wollen Sie das überhaupt machen? Mit einem Rundschreiben ans Christkind?“
Herr Findeisen bekam rote Ohren, aber er bemühte sich sofort, die Angelegenheit zu retten. „Demokratie.“
„Was meinen Sie damit?“, hakte der Bürgermeister ein.
Findeisen rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum. So richtig, schien es, hatte er das Ganze nicht zu Ende gedacht. Doch dann konnte Klausen geradezu sehen, wie in Findeisens Kopf etwas einrastete. „Wir führen eine Volksabstimmung durch. Wenn die Bürger beschließen, dass Weihnachten ausfällt, dann … fällt es eben aus.“
Klausen rieb sich das Kinn. Zugegeben, eine Volksabstimmung hörte sich vernünftig an. Und weil in Kleinkirchheim alles, was vernünftig klingt, automatisch als gute Idee gilt, nickten die anderen langsam.
Klausen zog sich in sein Büro zurück, um die Vorbereitungen zu treffen. Er schrieb eine Bekanntmachung und gab sie an lokale Medien heraus. Außerdem musste ein Termin für die Abstimmung gefunden werden, der nicht zu weit von Weihnachten entfernt war, aber auch nicht zu schnell kommen würde. Und er brauchte freiwillige Helfer, die im Wahllokal alles im Blick behalten sollten.
Klausen dröhnte der Kopf. Doch als wäre es noch nicht genug, stürmte Pfarrer Dominik Hoffmann herein, ohne angeklopft zu haben. Entrüstet fuchtelte er mit den Händen. „Stimmt es, Klausen, was die Leute sich erzählen? Sie wollen Weihnachten abschaffen?“
Nicht nur seine durchdringende Stimme, sondern auch die Amtstracht verursachte Klausen ein flaues Gefühl. Hoffmann hatte eine schlanke Figur und einen Lockenkopf, der sich kaum bändigen ließ. Seine schwarze Robe mit weißem Kragen verlieh ihm jedoch Würde und Ernsthaftigkeit, fast ehrfurchtgebietend. Und hinter ihm stand Gott.
Klausen biss sich auf die Unterlippe. „Bitte glauben Sie mir, Herr Pfarrer, ich bin genau so unglücklich darüber.“
„Also vergessen Sie nicht, was Weihnachten bedeutet.“ Hoffmann hielt die Hände vor der Brust gefaltet. „Es ist die Geburt Jesu, das Licht, das in die Dunkelheit kommt. Wärme und Hoffnung, nicht nur für Christen, sondern für jeden. Wenn wir das aufgeben, verlieren wir ein Stück Menschlichkeit.“
Nur mit größter Willenskraft gelang es Klausen noch, den Blick des Pfarrers zu erwidern. Seine Stimme wurde kratzig. „Mir ist natürlich klar, wie viel das zählt, und ich würde es gern anders machen. Aber wie?“
Von oben herab schaute der Geistliche ihn an. „Wissen Sie das wirklich nicht? Die Stadt verschwendet Geld für teure Bauprojekte, die sich endlos verzögern. Oder, entschuldigen Sie meine Direktheit, für irgendwelche Festempfänge, weil die Herren aus der Politik gesehen werden wollen.“
Klausen schluckte. Eine Erwiderung fand er nicht, doch Hoffmann setzte schon hinzu: „Wenn man dort spart, wäre sicher auch für Weihnachten noch etwas drin.“
Bei seinem nächsten Gottesdienst predigte Pfarrer Hoffmann mit eindrucksvoller Stimme über den Sinn des Weihnachtsfestes. „Dabei geht es um Gemeinschaft und Mitgefühl. Solche Werte schreiben wir groß. Und darum“, rief er die Gemeinde auf, „lasst uns den Geist von Weihnachten lebendig halten.“

Am 24. November, einen Monat vor dem Heiligen Abend, strömten die Bürger ins Wahllokal. Auf ihrem Stimmzettel standen genau zwei Möglichkeiten:
»Ja – Weihnachten wird abgeschafft«.
Oder »Nein – Weihnachten bleibt«.
Schon vor dem Eingang wurde heftig diskutiert.
„Ich stimme für Ja“, erklärte ein älterer Herr, „dann spare ich mir endlich den ganzen Geschenkestress. Meine Kinder bekommen ja sowieso nie, was sie wollen.“
„Na, vielleicht sollten Sie besser zuhören“, murmelte die Frau hinter ihm und lachte hölzern. „Ich stimme für Nein. Ohne Weihnachten kriege ich meinen Mann doch nicht aus dem Büro. Aber wenigstens einmal im Jahr soll er so tun, als wäre ihm Familie wichtig.“
Vor der Wahlkabine gerieten zwei Nachbarn aneinander, die sich ohnehin nicht mochten. „Ich sag Ja“, rief der eine, „dann haben wir endlich Ruhe vor dieser schrecklichen Blinkbeleuchtung in Ihrer Einfahrt.“
„Und ich sag Nein“, grollte der andere, „damit ich sie dieses Jahr noch greller machen kann.“
Auch Schüler durften ihre Stimme geben. „Ohne Weihnachten“, befürchtete ein zwölfjähriges Mädchen, „fallen doch die Winterferien aus. Und Mama würde keine Plätzchen backen.“
In einer Ecke des Bürgerhauses versuchte eine Mutter, ihre drei Kinder zu beruhigen, die wie ein aufgescheuchter Spatzenschwarm um sie herumschwirrten. Der Kleinste runzelte die Stirn. „Wenn wir Ja ankreuzen, müssen wir Oma nicht besuchen, oder?“
Die Mutter hielt inne. „Darüber … reden wir besser nach der Wahl.“
Bis 18 Uhr warfen die Leute ihre Zettel in die Urne. Im Gegensatz zu Kommunalwahlen, wo die Beteiligung oft mäßig ausfiel, war sie hier besonders hoch. Entsprechend dauerte es dann, die Stimmen auszuzählen. Aber die meisten Stadtbewohner blieben, weil sie sofort erfahren wollten, wie die Sache ausging.
Frau Rudolf, die als Wahlvorstand agierte, überprüfte immer wieder die Zahlentafeln. Endlich trat sie vor und hob eine Hand, worauf das Gemurmel unter den Bürgern verstummte.
„Nun …“ Frau Rudolf verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. „Insgesamt haben Sie 481 Stimmen abgegeben, aber einige davon sind ungültig.“
Ein junger Mann, der ihr im Wahllokal geholfen hatte, schwenkte ein Blatt Papier. „Das ist aber auch komisch, liebe Leute. Wir haben verschmierte Zettel mit Glühweinflecken, verzierte Kreuzchen, sogar ein paar Tannenbäume haben Sie gezeichnet.“
Er grinste, obwohl Bürgermeister Klausen und der Pfarrer einen Blick tauschten. Sie waren sich einig, dass ihnen das nicht gefiel.
Auch Frau Rudolf winkte ab. „Vielleicht finden Sie das lustig oder kreativ, aber es bringt uns nicht weiter. Zusammengenommen liegen 53 ungültige Stimmen vor.“
Sie setzte ab, wodurch die Spannung stieg. Der Rathauschef rieb sich die Schläfen.
„Ja-Stimmen“, hob Frau Rudolf wieder an, „gibt es 214.“
„Aber das heißt doch …“ Ein Rentner, früher als Mathelehrer tätig, rechnete mit und schnappte nach Luft.
Frau Rudolf nickte ihm zu. „Genau, es sind auch 214 Nein-Stimmen. Und damit steht es Unentschieden zu der Frage, ob Weihnachten in Kleinkirchheim abgeschafft wird oder nicht.“
Ein Raunen ging durch die Menge und einige schauten sich ungläubig an, während der Bürgermeister heftig schwitzte. Ganz rot im Gesicht stellte er sich neben Frau Rudolf. „Also … Da muss ich jetzt nachschauen, wie wir das lösen.“
Er stammelte noch eine Entschuldigung, bevor er ins Rathaus eilte, um die Gemeinderegelungen durchzublättern. Dabei waren seine Finger so feucht, dass ihm immer wieder eine Seite aus den Händen glitt.
Eine halbe Stunde brauchte er, bis er ins Wahlbüro zurückkam. Dort hatten fast alle auf ihn gewartet.
„In solchen Fällen …“ Klausen atmete tief ein, damit seine Worte kraftvoll wirkten. „Ich habe nachgelesen, in solchen Fällen entscheidet die älteste Bürgerin.“
„Lotti Sternenthal“, sagte Pfarrer Hoffmann und ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
92 Jahre war die Dame alt. Oder jung, wie sie nicht müde wurde zu beteuern. Jetzt schwebte sie geradewegs nach vorne und platzierte sich wie selbstverständlich neben dem Stadtoberhaupt. Ihr Silberzopf schaukelte ein wenig hin und her, aber der Blick war voller Lebensweisheit und die Stimme unbeirrbar.
„Weihnachten bleibt“, verkündete sie, denn sie pflegte einen festen Weihnachtsglauben. Natürlich wussten das alle in Kleinkirchheim und manch einer, der nicht feiern wollte, war deshalb schon heimgegangen. Aber die meisten konnte Lotti Sternenthal für sich gewinnen und Applaus verbreitete sich wie ein prasselndes Kaminfeuer, das die Halle mit Wärme füllte. Durch ihre Art hatte Lotti schon immer die Herzen geöffnet.
„Aber“, sagte sie jetzt und der Beifall riss ab.
Freudig lächelnd fuhr sie fort, als wäre sie persönlich das Christkind. „Wer fordert eigentlich, dass die Stadt unser Weihnachten bezahlen muss? Nein, wir nehmen alles selber in die Hand.“
Sie streckte die Arme aus, um wirklich jeden einzuladen.
„Weihnachten ja, Bürokratie nein“, fasste jemand zusammen.
Bürgermeister Klausen staunte, weil das so viel Zuspruch fand. Außerdem fühlte er sich unendlich erleichtert, denn von allen Seiten kamen Pläne für ein buntes, selbst gemachtes Weihnachtsfest.
„Ich backe Plätzchen“, rief ein junger Vater. Die Kinder jubelten ihm zu.
„Und ich übernehme das Musizieren“, meldete sich der pensionierte Lehrer, „Weihnachtslieder auf dem Rathausplatz. Ohne Mikrofon, aber mit sehr viel Herz.“
Andere boten an, beim Schmücken zu helfen oder den Weihnachtsmarkt zu organisieren. „Am besten so, dass jeder, der will, einen Stand bekommt. Dann zeigen wir uns gegenseitig, was wir können oder besonders lieben.“
In den Augen leuchtete Begeisterung, doch vor allem konnte Pfarrer Hoffmann nicht mehr aufhören zu strahlen. „Ja“, betonte er, „das ist wahrlich Gottes Wille.“

Geschenkideen von BLAutor

Drei Anthologien hat unser Arbeitskreis bis jetzt gemeinsam verfasst, und an zwei weiteren haben mehrere unserer Mitglieder mitgewirkt. diese sollten in keinem Bücherregal fehlen.

  1. Blind Verliebt
    ist die neueste im September 2024 erschienene Anthologie des Schreibzirkels BLAutor.
    31 AutorInnen mit Sehbeeinträchtigung beleuchten das Thema auf ganz unterschiedliche Weise. Lassen Sie sich in eine Welt der besonderen Art entführen.
  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
    ist der Titel unserer zweiten Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
    Dank einer Buch-Patenschaft, die eines unserer Mitglieder übernommen hat, ist auch diese Anthologie mittlerweile aufgelesen worden und somit in den Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.
  3. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.
  4. Anthologie Weihnachtszauber, 39 einfach schöne Weihnachtsgeschichten
    Es muss ja nicht gleich ein komplett eigenes Buch sein. In einer Anthologie finden sich stets mehrere Autor:innen mit ihren Geschichten zu einem Thema zusammen, um dann gemeinsam ein Buch zu füllen.
    Der Pashaas-Verlag rief zur Teilnahme an dieser Weihnachts-Anthologie auf. Fünf unserer Mitglieder schafften es, ihre Geschichten dort zu veröffentlichen.
  5. Weihnachtsmodus an, mit Autor:innen des Arbeitskreises und anderen
    Und hier ist die fünfte Anthologie, die der Pashaas-Verlag mit 20 Autor:innen, fünf aus unserem Arbeitskreis, herausgegeben hat.
    Es ist eine Weihnachtsanthologie der besonderen Art.

Ein Blick lohnt auch immer auf die Liste unserer Neuerscheinungen, wo die neuesten Werke unserer Mitglieder erscheinen.
Neue Bücher von BLAutor-Mitgliedern

Nähere Informationen über die jeweils mitwirkenden Author:innen erfahren Sie unter
Vitae und Werke.


Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit acht Jahren führt er den Blog Blindnerd.de.
In diesem Jahr fällt sein Adventskalender zwar etwas sparsamer aus, aber ein Blick in seine Weihnachtspost lohnt sich in jedem Fall.

Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.



Türchen 5 2024

Weihnachten auf der ISS

vom Sternenonkel Gerhard
Weihnachten wird in unterschiedlichen Kulturen verschieden gefeiert. Das wissen wir längst.
Abgesehen von einigen regionalen Bräuchen unterscheidet sich das Weihnachtsfest in einem Radius von 400 Kilometern nach Süden, Osten, Westen und Norden kaum.
Wie sieht es aber 400 km über unseren Köpfen aus?
Genauer gefragt;
Wie sieht es also zu Weihnachten für unsere Astronauten auf der Raumstation aus?
Die nämlich befindet sich 400 Kilometer über dem Meeresspiegel.
Den Sternen etwas näher, von Hirten und Königen unerreichbar, ohne Schwerkraft, müssen sie irgendwie ihr Weihnachtsfest verbringen.
Wie betrüblich ist es doch, dass unsere Astronauten Weihnachten nicht im Kreise ihrer lieben mit Baum, Weihnachtsgans etc. verbringen können.
Irgendwie macht sie das der heiligen Familie etwas ähnlicher.
Diese war ebenfalls fern der Heimat und fand Zuflucht in einem Stall, der sie schützend barg. So gesehen ist die Raumstation nicht viel mehr als ein Stall im All, eine Herberge mit viel Technik.
Schauen wir also mal auf dieses Weihnachtsfest der besonderen Art:

Kerzen:

Kein Weihnachten wäre ohne Kerzen denkbar. Sie spenden Licht, schaffen eine warme gemütliche Umgebung und duften auch noch wunderbar. Gemeint sind hier natürlich die Wachskerzen und nicht die Elektrischen. Wenn die mal riechen, dann stimmt etwas nicht und man sollte sich Gedanken machen…
Eine Kerzenflamme in Schwerelosigkeit degeneriert zu einem kleinen lächerlichen Feuerbällchen. Grund dafür ist, dass die hier auf der Erde vorhandene Schwerkraft dafür sorgt, dass warme Luft  nach oben steigt und von unten her kältere und schwerere Luft mit Sauerstoff nachströmen kann. Dieser Prozess, auch Konvektion genannt, hält die Flamme am Leben und zieht sie wunderbar und schön in die Länge.
Ohne Schwerkraft also keine Konvektion und keine schönen KerzenFlämmchen

Ein Geld verschlingender Unsinn, der mit Feuer im Weltraum zu tun hatte war, dass zwei
Russische Kosmonauten die Olympia-Fackel ins All getragen haben.
Das war ein Großer PR-Auftritt vor den Winterspielen 2014 in Sotschi;
Zum Auftakt eines “Fackellaufs der Superlative”.
Einziger Makel: die fehlende Flamme.
Niemand hätte es schon aus Sicherheitsgründen erlaubt, eine Flamme auch nur in die Nähe der ISS zu bringen.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass man das olympische Feuer  außerhalb der ISS im Vakuum des Alls ohne Sauerstoff nicht hätte entzünden können. Somit war diese Aktion völlig unnötig und ein großer Quatsch. Wie auch immer.
Eine längliche schöne weihnachtliche Kerzenflamme bekäme man  auf der ISS schon hin, wenn man die brennende Kerze z. B. vor einen Ventilator stellt.
Dann wird der Abtransport der Wärme und die Zufuhr mit
frischem Sauerstoff halt durch die künstliche Luftströmung, und nicht durch die Schwerkraft erzeugt.

Dass Flammen auf Raumstationen ohne Schwerkraft nur kleine Feuerbällchen sind,
soll aber nicht heißen, dass Feuer in einem Raumschiff ungefährlich seien,
Sie sind zwar kleiner, aber dadurch auch viel heißer.
Auf der russischen Raumstation Mir brach eines am 25.02. 1997 aus, als der Deutsche Astronaut Ulf Merbold an Bord war.
Das Feuer entstand im Zusammenhang mit einer Sauerstoffpatrone. So lange die Sauerstoff nachlieferte, fackelte es  in der Raumstation Mir ganz schön und hätte leicht zu einer lebensgefährlichen  Hölle für die Astronauten werden können. Von Apollo1 wissen wir, wie rasch eine Kapsel in welcher ein Feuer ausbricht, zum flammenden Inferno werden kann. Und die war nicht mal im All, flog also nicht, als es passierte.
OK, Dann wird es mit Wachskerzen auf der ISS nichts.
Mit elektrischen Kerzen gehts ja auch. Die werden sie dort dann schon haben. 
Gemütliches Feuer am Kamin gibt es höchstens auf einem Bildschirm als Animation.
Und künstliche Kamine ohne echtem Feuer gibt es auch hier auf der Erde.

Der Baum:

Einen echten ausgewachsenen Weihnachtsbaum wird man wohl auch nicht hin fliegen. Es wäre sicher unangenehm, wenn mit der Zeit die Nadeln durch die ganze Station schwebten.
Zum Glück gibt es künstliche nicht nadelnde Weihnachtsbäume und elektrische Kerzen. Man muss halt beim Schmücken aufpassen, dass einem die Sachen beim Aufhängen nicht durch die Gegend fliegen.
Das beste dürfte dort oben sein, dass die Engelchen tatsächlich schweben.

Plätzchen:

Zu Weihnachten werden viele krümelige Leckereien verspeist. Wenn diese versehentlich in der ISS frei kommen, dann können die ganz schön Ärger bereiten. Jeder hat schon mal erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man Krümel in seinem Bett hat. Außerdem könnten diese auf der ISS in alle möglichen Ventilationsöffnungen fliegen, und dort eventuell sogar Schaden anrichten oder Luftfilter verstopfen.
Plätzchen sind dort wahrscheinlich einzeln verpackt, so dass ihr Genießer gleich ins Tütchen krümeln kann.

Der Weihnachtsschmaus:

Das Weihnachtsmenü muss  auf Erden vorgekocht, vakuumiert oder gefriergetrocknet werden. Die Weihnachtsgans muss in jedem Falle schon entbeint und portioniert werden.
Glühwein etc. wären theoretisch zwar möglich, aber ich glaube nicht, dass je ein Tropfen Alkohol auf der ISS getrunken wurde. Astronauten müssen stets und immer mit einem Alarm rechnen. Und wenn der kommt, muss jeder voll einsatzbereit sein. Aus diesem Grunde kein Alkohol auf der ISS. Naja, Kinderpunsch ist ja auch ganz lecker.

Kein Weihnachten ohne Geschenke:

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wann das war, aber einmal verunglückte eine unbemannte Transportkapsel die neben wichtigen Versorgungsgütern auch Weihnachtsgeschenke für die Astronauten enthalten haben soll. Das war sicher dann ein etwas trauriges Weihnachtsfest. Vor allem vor dem Hintergrund, dass diese Weihnachtsgeschenke mit allem anderen, was noch in dieser Unglückskapsel war, beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht ist.

Die Geschenke dürften auch eher klein ausfallen, weil jedes Gramm, was zur ISS gebracht werden soll gleich mehrere hundert Euros kostet. Und dann die Frage, wohin mit dem ganzen Geschenkpapier-Müll. Dafür ist dort oben kein Platz, und einfach raus werfen ist verboten und gefährlich.

Feiern geht trotzdem:

Viele Teile des Weihnachtsbrauches sind aber sicherlich auch auf der ISS gut und fast normal durchführbar. Wir erinnern uns, dass bei der Weihnachtsmondfahrt von Apollo8 die Astronauten die Schöpfungsgeschichte vorgelesen haben. Die Bibel hat also auch im All ihre Berechtigung mit der Weihnachtsgeschichte.

So, oder so ähnlich sind die weihnachtlichen Randbedingungen für Astronauten, die das Fest 400 km über unseren Köpfen feiern müssen.
Nö, trotz Weltall und allem,, feiert der Sternenonkel lieber daheim im Kreise seiner lieben.
Ich wünsche ein schönes, frohes und gesegnetes Fest für uns alle.

Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit sieben Jahren führt er den Blog Blindnerd.de. In diesem Jahr widmet sich sein Adventskalender ganz den Wundern des Kosmos.
Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.

Geschenkideen von BLAutor

Drei Anthologien hat unser Arbeitskreis bis jetzt gemeinsam verfasst, und an zwei weiteren haben mehrere unserer Mitglieder mitgewirkt. diese sollten in keinem Bücherregal fehlen.

  1. Blind Verliebt
    ist die neueste im September 2024 erschienene Anthologie des Schreibzirkels BLAutor.
    31 AutorInnen mit Sehbeeinträchtigung beleuchten das Thema auf ganz unterschiedliche Weise. Lassen Sie sich in eine Welt der besonderen Art entführen.
  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
    ist der Titel unserer zweiten Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
    Dank einer Buch-Patenschaft, die eines unserer Mitglieder übernommen hat, ist auch diese Anthologie mittlerweile aufgelesen worden und somit in den Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.

  3. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.
  4. Anthologie Weihnachtszauber, 39 einfach schöne Weihnachtsgeschichten
    Es muss ja nicht gleich ein komplett eigenes Buch sein. In einer Anthologie finden sich stets mehrere Autor:innen mit ihren Geschichten zu einem Thema zusammen, um dann gemeinsam ein Buch zu füllen.
    Der Pashaas-Verlag rief zur Teilnahme an dieser Weihnachts-Anthologie auf. Fünf unserer Mitglieder schafften es, ihre Geschichten dort zu veröffentlichen.
  5. Weihnachtsmodus an, mit Autor:innen des Arbeitskreises und anderen
    Und hier ist die fünfte Anthologie, die der Pashaas-Verlag mit 20 Autor:innen, fünf aus unserem Arbeitskreis, herausgegeben hat.
    Es ist eine Weihnachtsanthologie der besonderen Art.

Nähere Informationen über die jeweils mitwirkenden Autor:innen erfahren Sie unter
Vitae und Werke.


05.12.2023, >ein Wunsch frei

von Mari-Wall

Bhavna ging an diesem Morgen ein wenig im Wald spazieren. Der Nebelhauch zeigte deutlich die Veränderung der Temperaturen an. Tief atmete sie die Morgenluft ein und träumte so vor sich hin. Fast wäre sie über einen Tannenzapfen gestolpert. „Oh, dieses Jahr fallen sie sehr früh von den Bäumen. Gibt es nun einen harten Winter oder wird er so mild wie in den letzten Jahren?“ Sie zog ihre Nase kraus und schnüffelte wie ein Hündchen. „Ist das etwa Fichtenduft?“ Mit den Füßen schob sie das bunte Laub vor sich hin. Dabei lächelte sie wie die Schulkinder, wenn sie darin tobten und ihren Spaß hatten.
Wie alle träumte sie vom Schnee. In dieser Region ist er selten geworden. Eiskristalle an den Fenstern gab es schon lange nicht mehr zu sehen. Früher war es eine Freude für die Kinder, wenn die Eisblumen die Fensterscheiben schmückten. Um hinauszuschauen durfte man erstmal kratzen, damit ein Guckloch entstand.
Auf dem Rückweg lief sie über den kleinen Markt, denn dort roch es so herrlich nach Mandelduft. Ihre Lieblingstante Manjit wollte so gerne das Rezept mit den Zimtsternen ausprobieren. Alle priesen sie an und leckten sich die Lippen bei dem bloßen Gedanken daran. Sie liebten diese Köstlichkeit und saßen gemütlich mit Kerzenlicht am Kaffeetisch. So manche Geschichte wurde dabei erzählt. Im ganzen Haus wurden die Kerzenlichter angezündet, es strahlte so eine warme Gemütlichkeit aus.
Zu bestimmten Zeiten hörte man die Kirchenglocken schlagen und gedanklich vertiefte man sich in ihren Ton. Es war eine wunderbare Zeit, besonders das Kinderlachen. Ihre strahlenden Augen verzauberten jedes Herz.
Bhavna genoss die neuen Erfahrungen und testete gleich mal die Räucherkerzen aus. Beate schenkte ihr einen Räuchermann aus dem Erzgebirge. Lachend stellte sie ihn mitten auf den Tisch, schaute dem zarten Rauch nach und sog den Duft ein. Bernd und Sudeep verzogen die Nasen, denn sie mochten dies nicht. Gunda nahm Reißaus, denn ihr tat so was nicht gut. Aber sie ertrug es tapfer, Bhavna zuliebe. Sie ist schon ein Goldschatz. Ali spielte inzwischen mit dem Nussknacker und versuchte sein Glück, die Nüsse zu knacken. Lachend nahm ihm Gunda diesen aus der Hand, denn sie ist perfekt im Nüsseknacken. Normalerweise übernahm seine Annette solche Tätigkeiten. In jedem Raum leuchtete ein Lichterbogen am Fenster, so konnten die Nachbarn sich auch daran erfreuen. Bei den hohen Strompreisen würden nicht in allen Häusern die Lichter strahlen können.
Miriam nahm auf einem Kissen vor dem schönsten Lichterbogen Platz und erzählte die Geschichte vom Krippenspiel. So konnte man gemeinsam die Spuren von Jesus nachempfinden. Die Menschen werden nie müde, sie zu hören. Manjit berichtete gemeinschaftlich mit Sudeep, wie in Indien das heilige Fest gefeiert wird. Miriam war immer begierig, neue Kulturen verstehen zu lernen. Sie bekam richtig rote Wangen, denn ihre Seele war beim Erzählen oder Zuhören mitten im Geschehen.
Beate und Bernd taten sich an den Apfelsinen gütlich. Ein fantastischer Duft erfüllte die Luft im ganzen Haus. „Früher hatten wir die Schalen wie Tannenzweige zum Trocknen auf den Ofen gelegt. Die Wohnstuben verzauberten die Sinne in den Herzen. Mit den Mandarinen wurde ähnlich verfahren. Erwischte man die Süßen, so konnte man kein Ende finden.
In Miriams Kindheit gab es in der Weihnachtszeit immer Bratäpfel. Heute werden sie in den Backofen gelegt und erzielte damit ähnliche Düfte, nur der Geschmack mochte sich nicht so ganz einstellen. Trotzdem wurden auch sie verspeist. Und manches Mal überzog man sie mit rotem Zuckerguss.
Das Nüsseknacken machte Gunda so viel Freude, dass Manjit noch einen großen Sack davon hereinbrachte. Lachend fragte Beate, „gibt es denn nichts Anderes heute?“ „Na, sei lieber nicht so vorlaut, sonst gibt es mit der Rute.“ Bhavna war ganz neugierig geworden und wollte gleich deren Bedeutung wissen. Bernd erläuterte den Brauch. „Unartige Kinder bekamen mit der Rute, damit sie im nächsten Jahr brav sind.“ „Dies hätte man bei so manchen Erwachsenen auch anwenden dürfen.“ In dieser weihnachtlichen Zeit wuchsen so manche Pfunde an den Hüften, weil kaum einer die Schokolade wegließ. Sie war so köstlich und machte süchtig. Ein Wahnsinn, was deren Konsum in der heutigen Zeit für einen Umsatz macht. Miriam lächelte und warf ein: „Bei mir können sie nichts mehr verdienen, denn ich darf nicht.“
„Würde es das Marzipan meiner Mutter Frieda noch geben, könnte ich wohl doch schwach werden. So etwas habe ich nie wieder gegessen. Ein Traum für den Gaumen, der jedoch in die Vergangenheit gehört, aber wenigstens in der Erinnerung haften bleibt. Sie war eine Zauberin beim Kochen und dementsprechend schmeckte ihr Marmorkuchen. Auch diesen Gaumenschmaus bekam ich nie hin, aber meinen Geschmacksnerven wird er immer in Erinnerung bleiben.
In der Tannenspitze hing auch immer das Engelshaar. Es war eine Tradition von ihr. Wir sangen jedes Jahr das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Nach der Bescherung zündete mein Vater Martin stets die Wunderkerzen an. Dies rundete den Heiligen Abend ab. Wenn das Lametta verschlissen war, nahmen wir rote Schleifen. In den späteren Abendstunden gab es Apfelpunsch. Mit einem himmlischen Gefühl endete das Fest und machte Platz für die Hoffnung auf das Morgen.“
„Gott, habe ich einen Wunsch frei?“
Das Abendgebet nahm einen wunderbaren Gedanken mit ins Herz: „Frieden in der Welt und in der Familie.“

Mari-Wall

Geschenktipp

Zwei Bücher hat unser Arbeitskreis gemeinsam verfasst. diese sollten unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.

  1. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt ist der Titel unserer neuen Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
  2. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.

Auch auf diesem Weg bietet BLAutor seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ein eigenes Werk auf dem Buchmarkt zu präsentieren.
Mit dem Kauf dieser beiden Anekdoten unterstützen sie die Arbeit unseres Arbeitskreises.
Und nun kommt noch ein Hinweis auf einen Adventskalender der besonderen Art:

Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit sieben Jahren führt er den Blog Blindnerd.de. In diesem Jahr widmet sich sein Adventskalender Frauen aus wissenschaft und Astronomie, denn Frauen sind in diesen Arbeitsfeldern bis heute unterrepräsentiert.
Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.