Fünfzehnter Dezember

Türchen 15, 2025

Sonja Servos
Die Weihnachtsbaum-Verschwörung

In einer kleinen, gemütlichen Stadt lebten drei unzertrennliche Freunde: Milka, eine schlaue und elegante Katze, Krone, ein gutmütiger, manchmal etwas tollpatschiger Hund und Popcorn, ein winziger, aber äußerst gewiefter Hamster.
Die drei liebten die Weihnachtszeit. Jedes Jahr besuchten sie den Marktplatz, um den riesigen, prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum zu bestaunen. Glitzernde Lichter, goldene Kugeln und eine große, leuchtende Sternspitze machten ihn zum strahlenden Mittelpunkt des Festes.
Doch als sie an diesem Abend zum Marktplatz kamen, blieben sie wie angewurzelt stehen.
„Wo ist der Weihnachtsbaum?!“ rief Krone entsetzt.
„Das ist unmöglich“, murmelte Milka und legte die Ohren an. „Ein so großer Baum verschwindet nicht einfach so.“
Popcorn, der aufmerksamste von ihnen, kletterte auf Krones Kopf und spähte umher. „Da sind Tannennadeln auf dem Boden!“
Die drei Freunde folgten den verstreuten Nadeln, die sich durch die Stadt zogen. Doch bald entdeckten sie etwas Seltsames: Neben den Nadeln lagen auch zerbrochene Christbaumkugeln und Essensreste.
Milka schnüffelte (auch wenn sie das für äußerst unwürdig hielt). „Hier riecht es nach… Fisch?“ Sie zuckte mit den Schnurrhaaren.
Krone schnupperte ebenfalls. „Und nach… Wurst?“
Popcorn kicherte. „Jemand hatte anscheinend Hunger, während er den Baum geklaut hat.“
„Oder die Diebe haben unterwegs gegessen!“ überlegte Krone.
„Dann teilen wir uns auf!“ entschied Milka. „Krone, du folgst der Wurstspur. Popcorn und ich nehmen den Fischgeruch.“
Krone folgte der Wurstspur quer über den Marktplatz und durch eine schmale Gasse, bis er schließlich vor einem kleinen, beleuchteten Bürofenster stand. Vorsichtig lugte er durch die Scheibe und riss die Augen auf.
Dort saß der Bürgermeister! In seiner Hand hielt er eine dicke Bratwurst im Brötchen, während er in einem Stapel Papiere blätterte.
Krone schlich um das Gebäude herum und schob seine Nase durch die offenstehende Tür. Er schnüffelte angestrengt. Überall roch es nach Wurst, aber nach Tannennadeln? Moment! Auf dem Teppich vor seinem Schreibtisch lagen tatsächlich ein paar Nadeln!
„Aha! Er war’s!“ flüsterte Krone aufgeregt.
Doch dann fiel sein Blick auf den großen Adventskranz, der auf dem Tisch des Bürgermeisters stand. Überall lagen kleine Tannennadeln verstreut.
Krone seufzte. „Mist, falsche Spur…“
Währenddessen hatten sich Milka und Popcorn an ein kleines Haus am Fluss geschlichen. Der Fischgeruch wurde immer stärker.
„Hier drin muss der Dieb sein!“ flüsterte Popcorn.
Milka sprang auf ein Fensterbrett und spähte hinein. Drinnen saß eine ältere Frau, die genüsslich ein großes Stück Lachs aß.
Die Katze sah sich aufmerksam um. Auf dem Boden vor der Tür entdeckte sie Tannennadeln!
„Ich glaube, wir haben sie!“ flüsterte Popcorn.
Doch dann bemerkte Milka einen wunderschönen Türkranz aus frischen Tannenzweigen, der an der Haustür hing.
„Falscher Verdacht… die Nadeln stammen nur von ihrem Kranz“, seufzte sie.
Enttäuscht kehrten sie um.
Gerade als sie wieder auf den Marktplatz zurückkehrten, huschte ein Schatten an ihnen vorbei.
„Was war das?!“ rief Krone.
Sie folgten dem schnellen, kleinen Wesen in eine dunkle Seitengasse und fanden sich plötzlich vor einer dicken, grauen Ratte wieder, die gerade dabei war, eine glänzende Christbaumkugel zu polieren.
„Aha!“ rief Milka. „Erwischt!“
Die Ratte zuckte zusammen, doch dann grinste sie frech. „Ich? Ein Weihnachtsbaumdieb? Also bitte! Ich bin ein Sammler, kein Schwerverbrecher.“
„Und warum hast du dann eine Christbaumkugel?“ fragte Krone misstrauisch.
Die Ratte rollte mit den Augen. „Die habe ich aus dem Müll hinterm Markt gefischt! Irgendein Mensch hat sie weggeworfen. Ich würde nie im Leben einen ganzen Baum stehlen. Ich bin ja nicht verrückt.“
„Hast du vielleicht gesehen, wer den Baum geklaut hat?“ fragte Milka.
Die Ratte kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Jetzt, wo du’s sagst… Ich habe letzte Nacht eine Gruppe Tiere gesehen, die etwas Großes durch die Straßen geschleppt haben.“
„Wurst war eine falsche Spur… Fisch war eine falsche Spur… aber die Nadeln sind echt!“ erkannte Milka.
Und tatsächlich, die Spur aus Nadeln führte tiefer in die Gasse. Jetzt sahen sie es: Neben den Nadeln zogen sich feine Kratzspuren durch den Schnee, als hätte jemand den Baum in Einzelteilen weggetragen!
„Das bedeutet, die Diebe waren kleine Tiere!“ erkannte Milka.
Schnell folgten sie der Spur, über enge Wege, durch Gassen und schließlich in den Hinterhof der Bäckerei.
Als sie um die letzte Ecke bogen, hielten sie abrupt an.
Der Weihnachtsbaum war da!
Doch er sah nicht mehr so makellos aus: Ein paar Kugeln hingen schief, das Lametta war zerzaust und die Sternspitze lag schräg im Schnee. Und das Seltsamste war: Rund um den Baum saß eine Gruppe Tiere, die eifrig schmückten!
Plötzlich – KRACH! – fiel eine Christbaumkugel zu Boden.
Ein erschrockenes Flattern, dann kamen aus dem Dunkeln fünf Tiere hervor: ein Fuchs, eine Eule, zwei Eichhörnchen und eine kleine Wildmaus.
Lotte, die Eule, hatte noch eine Lichterkette um den Hals gewickelt und Karl, der Fuchs, versuchte nervös, eine Lamettastreife zu verstecken.
Milka verstand sofort. „Ihr habt den Baum gestohlen!“
Die Tiere schauten schuldbewusst zu Boden.
„Wir wollten auch mal ein richtiges Weihnachtsfest feiern“, gab Gustav, die Wildmaus, zu. „Aber wir haben kein Zuhause mit einem schönen Baum…“
Fips und Flaps, die beiden Eichhörnchen, wanden sich verlegen. „Und der Baum sah so verlockend aus. So bunt. So glitzernd…“
„Aber ihr hättet doch einfach auf dem Marktplatz feiern können!“ meinte Krone.
„Hast du mal gesehen, wie viele Menschen da sind?“ seufzte Gustav. „Wir werden ständig verscheucht! Da war es einfacher, den Baum mitzunehmen…“
Popcorn, klein, aber weise, piepste: „Ich habe eine Idee! Wir bringen den Baum zurück und dann bauen wir euch ein eigenes kleines Weihnachtswunderland. Jeder hilft mit!“
Zusammen brachten sie den Baum zurück und bastelten für die Waldtiere aus Nüssen, Tannenzapfen und Zweigen einen zweiten, kleinen Weihnachtsbaum.
Als in dieser Nacht die Schneeflocken fielen, saßen Milka, Krone und Popcorn mit ihren neuen Freunden zusammen.
„Das ist das schönste Weihnachtsfest, das wir je hatten“, schnurrte Milka zufrieden.
Und so entstand eine neue Tradition: Jedes Weihnachten feierten nun nicht nur die Menschen auf dem Marktplatz, sondern auch die Tiere in ihrem eigenen, kleinen Weihnachtswunderland.

Geschenkideen von BLAutor

Drei Anthologien hat unser Arbeitskreis bis jetzt gemeinsam verfasst, und an zwei weiteren haben mehrere unserer Mitglieder mitgewirkt. diese sollten in keinem Bücherregal fehlen.

  1. Blind Verliebt
    ist die neueste im September 2024 erschienene Anthologie des Schreibzirkels BLAutor.
    31 AutorInnen mit Sehbeeinträchtigung beleuchten das Thema auf ganz unterschiedliche Weise. Lassen Sie sich in eine Welt der besonderen Art entführen.
  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
    ist der Titel unserer zweiten Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
    Dank einer Buch-Patenschaft, die eines unserer Mitglieder übernommen hat, ist auch diese Anthologie mittlerweile aufgelesen worden und somit in den Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.
  3. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.
  4. Anthologie Weihnachtszauber, 39 einfach schöne Weihnachtsgeschichten
    Es muss ja nicht gleich ein komplett eigenes Buch sein. In einer Anthologie finden sich stets mehrere Autor:innen mit ihren Geschichten zu einem Thema zusammen, um dann gemeinsam ein Buch zu füllen.
    Der Pashaas-Verlag rief zur Teilnahme an dieser Weihnachts-Anthologie auf. Fünf unserer Mitglieder schafften es, ihre Geschichten dort zu veröffentlichen.
  5. Weihnachtsmodus an, mit Autor:innen des Arbeitskreises und anderen
    Und hier ist die fünfte Anthologie, die der Pashaas-Verlag mit 20 Autor:innen, fünf aus unserem Arbeitskreis, herausgegeben hat.
    Es ist eine Weihnachtsanthologie der besonderen Art.

Ein Blick lohnt auch immer auf die Liste unserer Neuerscheinungen, wo die neuesten Werke unserer Mitglieder erscheinen.
Neue Bücher von BLAutor-Mitgliedern

Nähere Informationen über die jeweils mitwirkenden Author:innen erfahren Sie unter
Vitae und Werke.


Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit acht Jahren führt er den Blog Blindnerd.de.
In diesem Jahr fällt sein Adventskalender zwar etwas sparsamer aus, aber ein Blick in seine Weihnachtspost lohnt sich in jedem Fall.

Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.



Türchen 15 des BLAutor-Adventskalenders 2024

Eine Schneeeule für Paulina

von Sonja Servus

Es war der letzte Schultag an einem kalten Wintertag. Paulina hatte so gar keinen Bock auf die Weihnachtsferien, denn ihre Eltern hatten einen Skiurlaub in den Bergen gebucht. Sie hätte Weihnachten viel lieber zu Hause gefeiert, so wie jedes Jahr mit Oma und Opa. Sie hasste Skifahren. Die Schulglocke ertönte, und Paulina packte mürrisch ihre Sachen zusammen. Sie verabschiedete sich noch von ihren Freunden und fuhr mit ihrem Fahrrad nach Hause.
Zu Hause angekommen, flog ihre Schultasche erst mal in die nächste Ecke in ihrem Zimmer. Kurz darauf kam auch schon ihre mutter ins Zimmer und bat Paulina noch ihren Koffer zu packen, denn morgen sollte es schon mit dem Auto losgehen. Zum Glück hatte Paulina schon Weihnachtsgeschenke für ihre Eltern und ihren kleinen Bruder besorgt. So packte sie die Geschenke auch gleich mit in den Koffer.
Am nächsten Morgen fuhr Paulina mit ihrer Familie in die Alpen. Nach circa zehnstündiger Autofahrt kamen sie endlich an. Auch das noch dachte sich Paulina. Statt einem schicken, luxuriösen Hotel haben ihre Eltern nur eine kleine Skihütte organisiert. Sie musste sich auch noch mit ihrem Bruder ein Zimmer teilen. Genervt schaute Paulina aus dem Fenster ihres Zimmers. Es hatte gerade aufgehört zu schneien, also beschloss Paulina sich in der Gegend mal umzuschauen. Schließlich war sie kein Baby mehr und durfte mit ihren 17 Jahren alleine durch die Gegend schlendern. Sie brauchte auch einfach nur den Berg hinunter zu gehen, um geradewegs ins Dorf zu kommen. Im Dorf schaute sie sich erst mal um. Sie beschloss in ein Café zu gehen, um sich einen Kakao zu holen. Beim Verlassen des Cafés rannte ihr ein junger, blonder Mann direkt in die Arme und riss ihr den Kakao aus den Händen.
Oh, shit. Es tut mir so leid das war echt keine Absicht von mir.“
„Kannst du Idiot nicht aufpassen?“
„Ich mach’s wieder gut und hole dir einen neuen Kakao“
„Ne, lass es gut sein. Mir ist die Lust vergangen.“
Wütend lief Paulina zurück zur Skihütte.
„Da bist du ja wieder, Paulina. Wie war es im Dorf?“, fragte ihre Mutter.
„Es war total öde!“
„Hier ist übrigens noch dein Skipass für morgen. Da du ja immer noch nicht so gut im Skifahren bist, haben wir dich bei einem Kurs angemeldet.“, sagte ihr Vater.
Paulina verdrehte genervt die Augen und nahm den Pass entgegen. Bevor sie hier vor Langeweile zu Grunde geht, kann sie sich ja auch mal den Kurs anschauen. Wer weiß vielleicht gibt es ja auch einen süßen Skilehrer, dachte sie sich und lächelte dabei.
Noch vier Tage bis Heiligabend. Paulina schaute auf die Uhr, sie hatte noch 1 Stunde Zeit, bis sie beim Skiverleih sein musste. Also konnte sie noch schnell ins Dorf laufen, um Geschenkpapier zu besorgen. Im Dorf angekommen fand sie auch schnell wonach sie suchte. Als sie an der Kasse war, sah sie im Schaufenster süße kleine Plüscheulen, Paulina liebte Eulen über alles. Leider hatte sie nicht genug Geld dabei, um sich so eine Eule leisten zu können. Eine halbe Stunde später stand Paulina zusammen mit zwei anderen Damen beim Skiverleih und warteten auf den Kursleiter.
„Guten Morgen, die Damen mein Name ist Leon Steiner. Ich bin für die nächsten Tage ihr Skilehrer. Einige von euch haben bestimmt meinen Bruder Ben erwartet, der ist aber die nächsten Tage verhindert.“
Moment mal“, dachte sich Paulina und schaute von ihrem Handy hoch. Die Stimme hatte sie doch vor kurzem erst gehört. Oh, nein, ihr bleibt aber auch nichts erspart. Es war natürlich der blonde Mann vom Kaffee. Eigentlich sah er ja ganz gut aus mit seinen blonden schulterlangen Haaren und blauen Augen. Er sah so ein bisschen aus wie Nick Carter in den früheren Jahren, als er noch in einer Boyband sang. Ihre Mutter war damals ein großer Fan, daher hatte sie so einige Fotos schon in Händen gehalten.
„Bevor wir die passende Ausrüstung für euch aussuchen, gehe ich erst mal die Teilnahmeliste durch, um festzustellen, ob auch alle da sind.“
Während er die Liste durchging, erkannte er Paulina und lächelte sie verschmitzt an. Eigentlich fehlte noch ein Teilnehmer, der hatte sich wohl krankgemeldet.
Paulina fuhr nun zum dritten Mal den so genannten Idiotenhügel herunter und langweilte sich ein wenig.
„Ich denke mal, das soll’s für heute gewesen sein. Ihr habt gute Fortschritte gemacht. Morgen versuchen wir es dann mal auf der einfachsten Piste.“
Am nächsten Tag warteten Paulina und die anderen an der verabredeten grünen Piste. Skipisten sind nach Farben eingeordnet. Grüne Pisten sind für Anfänger, blaue Pisten für Fortgeschrittene, rote Pisten sind schwieriger und schwarze Pisten sind die schwersten. Kurze Zeit später kam Leon auch schon gut gelaunt an.
„Guten Tag, die Damen. Na, dann wollen wir mal schauen, wie gut ihr euch heute auf der Piste macht. Wenn ihr weiterhin so gute Fortschritte macht, könnt ihr nach Weihnachten bestimmt schon die blauen Pisten betreten. Nur die anderen Pisten solltet ihr erst mal meiden.“
Nach 3 Stunden Spaß auf der Piste war Paulina total durchgefroren und hatte keine Lust mehr. Nie hätte sie gedacht, dass Skifahren doch eine Menge Spaß machen konnte. Tina und Melina, so hießen die beiden blonden Damen, verabschiedeten sich bereits.
Paulina wollte sich auch gerade verabschieden, da rief Leon ihr hinterher: „warte mal, Paulina, ich wollte dich fragen, ob du mit mir noch ins Dorf kommst? Ich schulde dir ja noch eine heiße Schokolade.“
„Okay, warum nicht, ich bin sowieso total durchgefroren.“
Im Café angekommen, bestellte Leon für sich und Paulina zweimal heiße Schokolade. Während die beiden sich mit ihren Getränken aufwärmten, plauderten sie ein wenig.
„Woher kommst du eigentlich?“
„Ich wohne mit meiner Familie in Frankfurt am Main“.
„Frankfurt kenne ich, da wohnt ein Onkel von mir“
„Schade, dass morgen Sonntag ist und wir kein Training haben.“
„Naja, morgen habe ich zufälligerweise frei, aber wir könnten ja trotzdem gemeinsam was unternehmen, wenn du magst.“
Paulina schaute ungeduldig schon wieder auf ihre Armbanduhr. Sie und Leon waren heute für 16:00 Uhr verabredet.
„Er wird schon noch kommen“, sagte Paulinas Mutter.
Auch wenn Leon erst 5 Minuten über der Zeit war, wurde Paulina langsam nervös. Denn sie hielt ihn schon lange nicht mehr für einen Idioten. Da klopfte es auch schon an der Tür und Leon stand vor der Skihütte.
„Hi Paulina, bist du soweit?“
„Ach Mama und Papa, ihr braucht mit dem Abendessen nicht auf mich zu warten. Ich werde mir unterwegs was holen,“ rief Paulina, bevor sie die Türe hinter sich schloss.
Paulina und Leon verbrachten einen schönen Nachmittag im Schnee. Sie bauten gemeinsam einen Schneemann und eine Schneeeule. Danach alberten Sie noch im Schnee bei einer Schneeballschlacht herum.
„Ich hab genug“, kicherte Paulina, als ihr schon wieder ein Schneeball an den Kopf flog.
„Also gut, du hast gewonnen.“
Langsam wurde es schon dunkel und Paulina bekam inzwischen Hunger. Leon nahm Paulinas Hand und half ihr vom Boden hoch.
„Wir können ja noch in ein Restaurant gehen und dort was gemeinsam essen.“
„Ja, sehr gerne, aber du bist eingeladen.“
Später am Abend kam Paulina bei ihrer Familie an. Diese Nacht schlief Paulina sehr schnell ein und träumte bereits von Leon. Die nächsten Tage vergingen nur sehr langsam, denn über die Weihnachtsfeiertage fand kein Skitraining statt. Leon hatte leider auch keine Zeit, sich mit ihr zu treffen. Denn er verbrachte Weihnachten mit seiner Familie. Einen Tag vor Silvester trafen sie sich wieder auf der Piste. Mittlerweile flogen in Paulinas Bauch jedes Mal ein paar Schmetterlinge herum, wenn sie Leon traf. Sie hatte auch ihre Eltern um Erlaubnis gefragt, ob sie Silvester mit Leon verbringen durfte.
„wir könnten unten ins Dorf gehen da feiern Sie eine große Silvesterparty auf dem Dorfplatz.“
„können wir vorher noch was essen gehen?“
„Klar, lass uns in das Café gehen.“
Leon und Paulina saßen im Café in dem alles angefangen hatte. Leon überreichte ihr ein in Weihnachtspapier eingepacktes Päckchen.
„Für mich? Ich habe aber gar kein Geschenk für dich.“
Vorsichtig packte sie das Weihnachtspäckchen aus und zum Vorschein kam eine weiße Plüsch Schneeeule. Es war einer der Eulen, die Paulina im Schaufenster schon bewundern konnte.
„Woher wusstest du, dass ich Eulen liebe?“
„Ich habe dich oft im Dorf beobachtet, wie du vor dem Schaufenster mit dem Eulen stehen geblieben bist und sie dir verträumt angesehen hast.“
Es war jetzt kurz vor Mitternacht. Leon nahm zögernd Paulinas Hand, die umstehenden Leute zählten den Count-down laut mit.
„10…, 9…, 8…, 7…, 6…, 5…“
Leon schaute Paulina tief in ihre Augen.
„4…, 3…, 2…, 1…, frohes neues Jahr!“, riefen alle im Chor.
Leon nahm Paulina vorsichtig in den Arm und küsste sie.
„frohes neues Jahr, Paulina.“
„Frohes neues Jahr!“
Paulina nahm ihre Schneeeule fest in den Arm und lächelte Leon verliebt an.

Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit sieben Jahren führt er den Blog Blindnerd.de. In diesem Jahr widmet sich sein Adventskalender ganz den Wundern des Kosmos.
Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.

Geschenkideen von BLAutor

Drei Anthologien hat unser Arbeitskreis bis jetzt gemeinsam verfasst, und an zwei weiteren haben mehrere unserer Mitglieder mitgewirkt. diese sollten in keinem Bücherregal fehlen.

  1. Blind Verliebt
    ist die neueste im September 2024 erschienene Anthologie des Schreibzirkels BLAutor.
    31 AutorInnen mit Sehbeeinträchtigung beleuchten das Thema auf ganz unterschiedliche Weise. Lassen Sie sich in eine Welt der besonderen Art entführen.
  2. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt
    ist der Titel unserer zweiten Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
    Dank einer Buch-Patenschaft, die eines unserer Mitglieder übernommen hat, ist auch diese Anthologie mittlerweile aufgelesen worden und somit in den Hörbüchereien für blinde Menschen ausleihbar.

  3. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.
  4. Anthologie Weihnachtszauber, 39 einfach schöne Weihnachtsgeschichten
    Es muss ja nicht gleich ein komplett eigenes Buch sein. In einer Anthologie finden sich stets mehrere Autor:innen mit ihren Geschichten zu einem Thema zusammen, um dann gemeinsam ein Buch zu füllen.
    Der Pashaas-Verlag rief zur Teilnahme an dieser Weihnachts-Anthologie auf. Fünf unserer Mitglieder schafften es, ihre Geschichten dort zu veröffentlichen.
  5. Weihnachtsmodus an, mit Autor:innen des Arbeitskreises und anderen
    Und hier ist die fünfte Anthologie, die der Pashaas-Verlag mit 20 Autor:innen, fünf aus unserem Arbeitskreis, herausgegeben hat.
    Es ist eine Weihnachtsanthologie der besonderen Art.

Nähere Informationen über die jeweils mitwirkenden Autor:innen erfahren Sie unter
Vitae und Werke.


15.12.2023, Ganz allein unterwegs

© Jürgen Klaubert www.juergenklaubert.de
Eine kurze sehr lange Geschichte

Der Wecker klingelt wie immer zur gleichen Zeit. Er steht auf. Wenig später ist er auf der Straße. Aus der Haustür heraus links herum, er kennt jeden Pflasterstein und jeden Bordstein. Dann die Ampel, in zwanzig Sekunden wird es Klacken und das Zeichen für Grün geben. Über die Straße weitergehen, bis zur Arbeitsstelle.
Der Arbeitstag ist der Arbeitstag ist der Arbeitstag ist der Arbeitstag ist der Arbeitstag. Fünf Mal die Woche das Gleiche. Abends der Weg zurück. Dann wieder die Ampel mit ihrem Signal. Bald zuhause. Nach dem Abendessen spazieren gehen. Menschen begegnen. Die gleiche Frau wie jeden Abend, kommt entgegen, grüßt und sagt wie immer „Na, ganz allein unterwegs?“ Er lächelt sie an, antwortet nicht. Morgen würde er ihr wieder begegnen und sie würde wieder grüßen und sie würde wieder sagen „Na, ganz allein unterwegs?“.
Er lebt allein und isst allein und geht allein spazieren. Abends hört er Radio oder schöne Musik. Am Morgen klingelt wieder der Wecker.
So geht das immer. Nur freitags abends ist es anders. Nach der Arbeit geht er nach Hause. Er zieht andere Kleidung an, dann geht er aus dem Haus. Aus der Haustür heraus rechts herum. Auch hier kennt er den Weg wie im Schlaf. Am Bahnhof angekommen wartet bereits der Zug. Er steigt ein. Er kennt seinen Platz, den er jeden Freitagabend einnimmt. Jemand grüßt immer und fragt freundlich „Ganz allein unterwegs?“. Er nickt und lächelt ohne Worte.
Angekommen. Der Zug hält. Er steigt aus. Nun noch der Weg, den er nicht so oft geht. Aber er kennt ihn dennoch genau.
An der Wohnungstür angekommen. Den Klingelknopf drücken. Die Tür wird geöffnet. Eine Hand zieht ihn herein. Eine feste Umarmung. Ein tiefes Atmen, Erleichterung. Die Beiden gehen ins Wohnzimmer.
Und wer jetzt auf dem Flur genau hinhören könnte, der würde hören, wie zwei Weißstöcke, die dort nebeneinander stehen zueinander sagen „Na, nicht mehr allein unterwegs?“

Geschenktipp

Zwei Bücher hat unser Arbeitskreis gemeinsam verfasst. diese sollten unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.

  1. Abenteuerliche Anekdoten blind erlebt ist der Titel unserer neuen Anthologie, die im Oktober 2023 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook auf dem Buchmarkt erschienen ist.
  2. Farbenfrohe Dunkelheit
    ist der Titel unserer mittlerweile zwei mal preisgekrönten ersten BLAutor-Anthologie, die 2022 im Edition Paashaas Verlag als Taschenbuch und iBook erschienen ist und als Hörbuch produziert wurde und bei den Hörbüchereien für blinde Menschen ausgeliehen werden kann.

Auch auf diesem Weg bietet BLAutor seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ein eigenes Werk auf dem Buchmarkt zu präsentieren.
Mit dem Kauf dieser beiden Anekdoten unterstützen sie die Arbeit unseres Arbeitskreises.
Und nun kommt noch ein Hinweis auf einen Adventskalender der besonderen Art:

Der Blindnerd-Adventskalender

Unser blindes Mitglied Gerhard ist blinder Hobbyastronom und das einzige blinde Mitglied der Deutschen Astronomischen Gesellschaft. Seit sieben Jahren führt er den Blog Blindnerd.de. In diesem Jahr widmet sich sein Adventskalender Frauen aus wissenschaft und Astronomie, denn Frauen sind in diesen Arbeitsfeldern bis heute unterrepräsentiert.
Der Blautor-Adventskalender und der Blindnerd-Adventskalender sind überkreuz verlinkt, so dass man von jedem aus zu den jeweiligen Türchen des anderen springen kann.
Mit
diesem Link gelangen Sie und ihr auf diesen etwas außergewöhnlichen Weihnachtskalender.