Der Feierabend war schon längst vorbei, als Alexander, von den Freunden Lexi genannt,
noch immer seine Vorbereitungen für die morgige Dienstreise treffend, auf die Uhr blickte
und merkte, daß die Zeit verflog. Hastig räumte er sein Büro auf und packte mit einer
ihm ungewohnten Geschwindigkeit seine Unterlagen in die Aktentasche ein, während er sich
in Gedanken mit den schweren Aufgaben des nächsten Tages beschäftigte. Plötzlich fiel
sein Blick auf das Kalenderblatt, und Lexi fuhr erschrocken zusammen. "Oh, du lieber
Himmel, heute ist der 6., und ich habe Idas Geburtstag restlos vergessen." Mit einer
schnellen Entschlossenheit schaltete er auf seinem Arbeitstisch die Lampe aus, schloß
hektisch das Zimmer ab und eilte erregt aus dem Gebäude.
Im Auto überlegte er rasch, wo die beste Möglichkeit zu einem guten Einkauf gegeben sei. In Gedanken vertieft, dennoch routiniert, fuhr er in dem stets regen Straßenverkehr der Hauptstadt. Mit Leichtigkeit entdeckte er durch die bunten Lichtreklamen an der Ecke ein Blumengeschäft mit reichem Angebot trotz der kalten Jahreszeit. Er hielt an und kaufte einen wunderschönen Strauß roter Nelken und im Laden nebenan kurz vor Verkaufsschluß eine große Schachtel Pralinen.
"Ida wird mir schon verzeihen, daß ich ihr heute früh nicht gratuliert habe", beruhigte er sich und stieg erleichtert in seinen weißen Lada.
Am Lenkrad sitzend, forschte er in seinen Gedanken wieder umsonst nach Familienereignissen der jüngsten Vergangenheit.
Zu Hause stand er freudestrahlend wie ein Kavalier vor der geschlossenen Tür und klingelte erwartungsvoll. Jenö, sein 10-jähriger Sohn, öffnete und machte große Augen.
"Aber Papa, was soll das bedeuten?", fragte er erstaunt.
"Sei doch still! Mutti wird uns sonst hören. Es soll eine Überraschung für sie sein. Weißt du etwa nicht, daß sie heute Geburtstag hat?" Vorwurf klang in seiner Stimme. Jenö brach in ein lautes Gelächter aus.
"Aber nicht heute, Papa", widersprach er noch immer kichernd. "Vor einem Monat hatte sie schon Geburtstag."
Jetzt stimmte Lexi ebenso schallend, aber verlegen in das Lachen seines Sohnes ein.
Beschämt dachte er dabei daran, wie er sich unterwegs den Kopf darüber zerbrochen hatte, aus welchem Anlaß er seiner Frau vor kurzem Geschenke überreicht hatte. Jetzt war ihm alles klar.
"Hätte ich bloß auch auf den Monat geachtet! Schuld daran ist bloß diese Dienstreise" beruhigte er sich, kontrollierte seine Tasche und stellte mit erneutem Schrecken fest, daß seine Lesebrille auf dem Schreibtisch im Büro geblieben war.
(c) Sara Rietz / Pirna
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