Heiratsantrag auf Nigerianisch


Roswitha Gebauer


Sicher, es war eine Einbahnstrasse die ich überquerte, trotzdem guckte ich brav nach links und rechts, ob mich denn der Verkehr überrollen könnte. Mit innerem (und vielleicht auch sichtbarem) Lächeln stellte ich fest, dass der Herr auf der mir gegenüber liegenden Straßenseite das genauso machte und auch im Begriff war die Strasse zu überqueren. Wir trafen uns exakt in der Mitte der Asphaltdecke. Er guckte mich an, gleich wieder weg, dann ganz schnell wieder an, jetzt mit einem Lächeln, und sagte: “Hallo!” Ich hatte nicht damit gerechnet, und so war mein Körper schon einen Meter weiter, also hinter ihm. Dann noch mal, ein Hallo. Dieses mal ein kräftigeres Hallo, das gut zu seinem Aussehen passte: ca. 1,80, bestimmt 120 kg, wuchtig, vor allem der Bauch, ein rundes Gesicht, volle Lippen, strahlend weiße Zähne aufgereiht wie eine Perlenkette, wenig Haare und Augen, die mir einerseits Interesse, Freundlichkeit, aber auch eine Spur von Angst und Unsicherheit signalisierten. Seine Haut glänzte in einem ebenholzfarbenen Ton. Das dritte Hallo, jetzt fast rufend, machte mich stutzig, und ich drehte mich um. Der Herr kam auf mich zu, berührte mich leicht am Arm, führte mich auf den Bürgersteig und fragte ob er mich sprechen könnte. Ich war so überrascht, dass mein Mund schwieg aber mein Kopf nickte. Es sprudelte aus ihm heraus: “Ich komme aus Nigeria, habe eine Freundin mit der jetzt zu Ende, und habe noch ein Jahr Aufenthaltsgenehmigung. Dann zurück. Ich suche Frau zum Heirat, verstehst du?” Mein Kopf nickte wieder. Er beugte sich noch etwas mehr zu mir und fragte: “Hast du Interess zu heirat?” Es wurde mir klar, da musste ich etwas dazu sagen, auch wenn es eine Lüge war: “Ich bin verheiratet.” Nicht nur sein Gesicht zeigte Enttäuschung, der Körper sackte leicht zusammen und es kam ein leises “Oh, schade.” Er tat mir leid. Ich spürte, dass ich in Versuchung war ihn in den Arm zu nehmen, oder seine Hand zu streicheln, da hörte ich: “Kannst du mich denn manchmal besuch in meine Wohnung?”

Jetzt war ich hellwach, zurückgeholt und nüchtern: Mein Nein kam mit einem Lächeln, ich schüttelte zur Absicherung auch mit dem Kopf und entfernte mich.

(c) Roswitha Gebauer / Bielefeld


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