Wettbewerb 2010: Die neun Pflichtwörter sind: Brücke, Hotel, Hunger, Klavier, Krise,
Meer, Ordnung, Sand und Schmetterling.
Bianca war wieder einmal kribbelig, so dass sie nicht wusste, was sie machen sollte. Alles
störte sie, die berühmte Fliege an der Wand. Sie war unkonzentriert und lustlos. Dieser
Zustand, der sie beherrschte, brachte sie zur Weißglut. Bianca setzte sich ans Klavier, schloss die Augen und begann zu spielen. Sie wollte
eine Brücke schlagen zwischen ihren Gefühlen und der
Wirklichkeit. Ihre Finger flogen über die Tasten, als ob das Meer
mit seinen tosenden Wellen an die Küste schlägt. Mit weißen Schaumkronen tanzen die
Wellen bis sie zerbersten. Das Meer bäumt sich auf, als ob es die Welt und alles
Schlechte auf ihr verschlingen wollte. Bianca gibt sich ganz ihrem Spiel hin. Hat die Welt
nicht eine Krise wie sie auch? Ist nicht bei beiden
alles aus den Fugen geraten, die Ordnung zerstört?
Muss sich nicht auf Gutes, auf Werte besonnen werden, so wie das neue Leben aus der Asche
abgebrannter Wälder entsteht?
Biancas Finger gleiten über die Tasten. Das Spiel wird leicht, wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte tanzt. Sie hört das leise Flügelschlagen, dreht sich selber mit im Reigen, spürt wie der Sand durch die Zehen rieselt, wie die Füße sich entspannen.
Ein Glöckchen lockt mit leisem Ton. Das Hotel ruft zur Mittagszeit, geht es ihr durch den Sinn. Sie hatte völlig ihren Hunger vergessen. Biancas Spiel wird ausdrucksstark mit einem selbstbewussten Finale. Optimismus hat über Unruhe gesiegt, bis zum nächsten Ausbruch. Bianca klappt den Klavierdeckel zu.
(c) Karin Ziegler / Wuppertal
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