An einem Februar Tag, es war Freitagnachmittag, machte ich mich in die Innenstadt auf, um
mir in einem großen Kaufhaus zwei Garnituren Schiunterwäsche zu kaufen.
Der Tag fing für mich gut an. Obwohl es sehr kalt, glatt und ungemütlich war und permanent ein wenig Schnee fiel, ließ ich mir die Laune nicht verderben. Ich freute mich nur noch darauf, am Samstag zusammen mit meinem Mann in die Eifel zu fahren. Dort wollten wir lange ausgedehnte Schneewanderungen unternehmen. In den letzten Jahren schneite es so gut wie gar nicht, doch in diesem Jahr waren die Schneeverhältnisse einmal wieder günstig.
Im Kaufhaus suchte ich die Sportabteilung auf, bat eine Verkäuferin, mir bei der Auswahl der richtigen Wäsche zu helfen und nach einer halben Stunde stand ich schon wieder auf der Straße.
Mit Straßenbahn und Bus brauchte ich etwas mehr als eine Stunde, um nach Hause zu kommen. Es war bereits 18.00 Uhr, als ich meine Wohnung erreichte. Geplant hatte ich, die neue Schiunterwäsche an diesem Abend zu waschen und anschließend im Trockner zu trocknen, um sie am Samstag mit ins ersehnte Schneewochenende zu nehmen.
Auf die Idee, dieses Schneewochenende in der Eifel zu verleben, kamen wir spontan am Donnerstag, weil es unerwartet plötzlich so viel Schnee gab und dies wollten wir ausnutzen.
Freudig erregt packte ich die Wäsche aus und stellte zu meiner Verärgerung fest, dass an beiden Oberteilen die Diebstahlsicherungen nicht entfernt worden waren. Mit diesen Kunststoffanhängseln waren diese Shirts für mich nutzlos. So hätte ich sie weder waschen, noch anziehen können. Mir blieb eigentlich nur, noch einmal in die Innenstadt zu fahren, doch weil es mittlerweile 18.45 Uhr war, konnte ich es nie schaffen, rechtzeitig vor Ladenschluss in dieses Kaufhaus zu gelangen. Mein Mann war auch noch nicht von der Arbeit zurück.
Also nahm ich voller Zorn den Telefonhörer zur Hand. Die Telefonzentrale des Geschäftes vermittelte mich mit meinem Anliegen an den Kundendienst. Dort erklärte mir eine nette Dame mit freundlichster Stimme, dass es Ihr Leid täte, dass dieses Missgeschick geschehen sei. Doch solle ich nochmals in das Geschäft kommen, um diese Diebstahlsicherungen fachgerecht von meinen Sport-Shirts entfernen zu lassen. Sie sagte mir auch zu, das Geschäft werde für meine Unannehmlichkeiten die entstehenden Fahrtkosten übernehmen.
Als ich ihr mein Problem mit der knappen Zeit an diesem Tag und meinem am Samstag geplanten Ausflug in den Schnee schilderte, hatte sie aber leider keine passende Antwort zur Hand. Weil sie mich immer noch so ansäuselte, als ob sie nichts aus der Ruhe bringen könnte, wuchs mein Zorn. Ich machte dann, eigentlich mehr aus eigener Ratlosigkeit heraus, den Vorschlag, ich könne mit dem Taxi in die Innenstadt kommen, um noch vor Ladenschluss diese Plastikanhänger loszuwerden. Die Dame solle mir die Zusage geben, dass das Kaufhaus die Taxikosten übernehme. Darauf wurde ihr Tonfall scharf. Sie sagte, dass dies unverhältnismäßig wäre und sie für derartige Zusagen nicht zuständig sei. Sie gab mir die Telefonnummer des Kaufhausleiters und ich solle mich nun mit ihm auseinandersetzen. Ich war ein wenig verwundert darüber, dass sie mir die Telefonnummer gab, anstatt mich direkt weiter zu verbinden.
Nun saß ich verärgert in meiner Küche und dachte über das nachlässige Personal und meine nun entstandenen Unannehmlichkeiten nach. Ich mutmaßte, dass sie mich bewusst nicht weiter vermittelte, weil vielleicht viele andere verärgerte Kunden in letzter Konsequenz gehemmt sind, mit dem höchsten Boss eines Kaufhauses wegen ihrer doch nicht so ganz großen Angelegenheit zu verhandeln.
Ich überlegte nur kurz und rief dann den Kaufhausleiter an. Es machte mir schon ein wenig Mühe, dem Mann entschlossen gegenüberzutreten, doch behielt ich eine freundliche, aber bestimmte und fordernde Stimme.
Nach Schilderung meines Anliegens, gab er mir ohne Zögern die Zusage der Taxikostenübernahme. Ich wunderte mich, dass der Mann mit meinem Vorschlag zur Behebung meines Problems so schnell einverstanden war und klopfte mir insgeheim auf die Schulter, weil ich mich nicht hatte abschrecken lassen, den Chef des Hauses anzurufen.
Ich bestellte mir ein Taxi und schaffte es, ganz hektisch geworden um 19.30 beim Kundendienst des Kaufhauses zu stehen. Dort empfing mich die Dame, mit der ich zuvor telefoniert hatte. Sie machte mir den Eindruck, als habe sie vor kurzem Ärger gehabt. Sie war jetzt nicht mehr freundlichst, sondern sehr distanziert. Sie entfernte die Diebstahlsicherungen und füllte einen Beleg für die Taxikosten aus, den ich quittieren sollte. Als ich ihr sagte, dass ich auch noch die Taxikosten für die Rückfahrt haben wollte, hätte sie mich, so schien es mir, am liebsten erwürgt.
Doch nun sah ich die Situation wieder gelassener. Ich wusste jetzt, dass ich spätestens um 20.30 Uhr zu Hause sein konnte und noch genügend Zeit hätte, um die neue Wäsche zu waschen.
Entspannt lehnte ich mich im Taxi zurück und besah mir mit viel Vorfreude das Schneetreiben auf der Straße.
Doch dann klingelte mein Handy. Mein Mann teilte mir mit, dass er noch auf dem Parkplatz seiner Firma stünde, weil der Motor unseres Autos keinen Mucks mehr von sich gab. Er warte auf den Helfer des ADAC und dann würde er sich nochmals melden.
Zu Hause angekommen, bestückte ich die Waschmaschine und packte die Wochenendtasche, obgleich der geplante Verlauf des Wochenendes nun ungewiss geworden war.
(c) Irmgard Korf / Köln
zurück zur Seite Irmgard Korf
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite