Wasserscheu ist Fritz keinesfalls. Im Gegenteil. Er ist eine Wasserratte, liebt den
Wassersport und genießt das duftende, warme Badewasser. Darin fühlt er sich wohl wie ein
Fisch im Wasser. Sehr gern schwimmt Fritz im Meerwasser, auch in Süßwasserseen. Aber
fließendes Wasser gefällt ihm besser. Wasserpflanzen und vor allem Wasserpest stören
ihn . Wurde in ihm die Liebe zum Wasser geweckt, weil er in Wassersuppe unter dem
Sternzeichen Wassermann geboren wurde? Vielleicht. Fritzens Hobby ist die Besichtigung und
das Fotografieren von Wassertürmen, Wasserrädern und -mühlen. Er malt auch mit
Wasserfarben. Regelmäßig registriert er die Elbe-Pegelstände. So kann er Auskunft geben
über Niedrigst- und Höchstwasserstände. Fritz wundert sich, dass manche Leute ins
Wasser gehen. Ihnen ist es egal, ob Wasserschutzpolizei und Wasserrettungsdienst
dadurch belastet werden und Wasserleichen hässlich aussehen. Als Arbeitsgebiet wählte
Fritz die Wasserwirtschaft. Er kontrolliert den Frischwasserverbrauch der Betriebe,
drängt immer wieder auf stärkere Nutzung von Kreislaufwasser und bessere
Abwasserreinigung. Über die zunehmende Wasserverschmutzung macht er sich Sorgen. Seine
Kollegen behaupten, er sei mit allen Wassern gewaschen, könne kein Wässerchen trüben
und verachte kein hochprozentiges Feuerwasser. Aber meistens trinke er Mineralwasser,
notfalls auch Leitungswasser, aber nie abgestandenes Wasser. Dieses Jahr wollte Fritz im
Urlaub über das große Wasser. Doch die Reise fiel durch unerwatetes Hochwasser ins
Wasser. Statt den Wasserkopf, wie er die aufgeblähte Verwaltung seines Betriebes nannte,
hinter sich zu lassen, musste er nun helfen, Wasserschäden zu beseitigen und Wasserwagen
mit Trinkwasser organisieren. Dabei schwitzte er Blut und Wasser. An Warm- und Kaltwasser
war in vielen Häusern tagelang nicht zu denken. Die Bewohner waren froh, dass sie in
Wassereimern Koch- und Waschwasser holen konnten. Es wurde appelliert, die Wasserentnahme
auf ein Minimum zu beschränken. Trotz der Misere sangen einige Wasserträger: Ohne
Wasser merkt euch das, da wär die Welt ein leeres Fass. Viele äußerten, man
könne vor Feuer fliehen, vor Wasser aber nicht. Es habe auch keine Balken. Andererseits
trieben Bäume in den reißenden Fluten. Sonst harmlose Wasserläufe verwandelten sich in
mächtige Ströme und vielerorts hielten die Deiche dem Druck der Wassermassen nicht mehr
stand. Die vom Wasser eingeschlossenen Menschen mussten mit Wasserfahrzeugen oder
Hubschraubern gerettet werden. Auf den Wasserwegen und -straßen ruhte der Verkehr. Die
eingetretenen Schäden wurden erst sichtbar, nach dem der Wasserspiegel stark zurückging.
Ob Schadstoffe ins Grundwasser gelangten, muss noch geprüft werden. Während hierzulande
viele über die vorangegangenen Ereignisse jammern, leiden in anderen Ländern die
Einwohner unter Wassermangel. Sie kennen keine Wasserleitung, keinen Wasserhahn und
schöpfen das nötige Nass aus Wasserlöchern aus dem auch die Tiere ihren Wasserbedarf
decken. In diesen Tümpeln leben oft auch Wasserflöhe. Sogar Brack- und Schmutzwasser
müssen die Eingeborenen nutzen. Sauberes Wasser wäre ihnen lieber und sie wären
glücklich, wenn sie Brunnenwasser hätten. Wasservögel und Wasserschlangen kennen sie
nur vom Hören und Sagen. Einen Wasserschlauch sahen sie nie. An das alles denkt Fritz,
dem durch die vielen Probleme das Wasser förmlich bis zum Halse steht, während er in der
Kantine Kaffee trinkt. Der schmeckt wie Abwaschwasser. Ihm fällt ein, dass ihm der Arzt
zur Kreislaufverbesserung Wassertreten empfahl. Doch daraus würde vorläufig nichts
werden, denn auch die Klinik stand unter Wasser. Aber das Wasserbett will Fritz sich
kaufen. Er muss aber daran denken, eine Zusatzversicherung für Wasserschäden
abzuschließen. Eine Wassestoffblonde setzte sich zu ihm an den Tisch und
fragte plappernd wie ein Wasserfall, wo sie eine Wasserpfeife auftreiben könne. Ihr
Freund sammle so etwas. Auch Wasserzeichen gehören zu seinen Sammelobjekten. Aber was
damit gemeint sei, wisse sie nicht. Bei ihrem Redeschwall fuchteltete sie mit der Hand
herum und stieß gegen ein Wasserglas. Dabei fiel ihr ein, dass ihr Freund auch Wasserglas
suche um sein Aquarium reparieren zu können, denn es sei nicht mehr ganz wasserdicht.
Fritz konnte ihr nicht helfen. Er blickte zum Fenster und sah Regenwasser an die Scheiben
spritzen. Nun verließ er den Raum, denn er musste Wasser lassen.
(c) Dieter Rietz / Pirna
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