Gestern war so richtiges Aprilwetter. Eine große, tiefschwarze Wolke verdunkelte den
Himmel. Ich musste die Beleuchtung einschalten. Regentropfen klatschten an die
Fensterscheibe. Wer bei diesem Regenguss unterwegs war, dem halfen weder Regenmantel noch
Regenschirm. Starke Windböen bliesen die Regenwolke fast fort und minutenlang fiel nur
noch Nieselregen. Dann strahlte wieder die Sonne. Das überreichliche Regenwasser war in
die Gullys abgelaufen. Nur noch Pfützen erinnerten an das Unwetter. Aber es blieb nicht
lange trocken. Sprühregen setzte ein. Doch dabei schien die Sonne und es entstanden zwei
Regenbögen. Ein kräftiger und dahinter ein blasser. Weil mir das Wetter zu unbeständig
war, verzichtete ich auf den geplanten Einkaufsbummel. Stattdessen blätterte ich in einem
Nachschlagewerk. Irgendwann hatte ich mal etwas über Regenpfeifer gehört. Mich
interessierte, was das für eine Vogelart ist und, wie sie aussehen, wo sie leben und was
ihre Hauptnahrung ist. Fressen sie auch Regenwürmer? Das Telefon störte mich bei der
Lektüre. Max, ein alter Bekannter, rief aus Regensburg an. Nach allgemeinem Blabla über
Berichte in der Regenbogenpresse, sie schrieben über eine siegreiche Fußballmannschaft,
die nicht nur mit einem Blumenregen, sondern auch mit einem Geldregen überschüttet
wurde, über eine mir unbekannte Regen-tin und auch von einem Skandal über das
Regenbogentrikot. Endlich kam Max auf den eigentlichen Grund seines Anrufes. Ich wisse
doch, sich regen bringt Segen, und er wolle mich anregen, bei seinem neuen Projekt
mitzumachen. Er redete und redete, ohne konkret zu werden. Ich war gespannt wie ein
Regenschirm und wollte mich schon aufregen über sein Geschwafel, als er erklärte, er
müsse erstmal seine Regenbogenhautentzündung auskurieren, dann würde er mir genaueres
mitteilen. Er legte auf und ließ mich im Unklaren. Aber ich sagte mir, warum sollte ich
mich erregen. Keine Hand würde ich für ihn regen, denn ich käme sicherlich wieder vom
Regen in die Traufe. Sein vergangenes Projekt, bei dem ich dummerweise mitmachte, war
schief gelaufen. Max hatte mich dann im Regen stehen lassen. Würde sich jetzt sein
Gewissen deswegen regen? Ich bezweifelte es. Deshalb war es mir egal, ob er ein Gesicht
wie 10 Tage Regenwetter ziehen würde, wenn er von meiner Absage erfuhr. Um mich
abzuregen, schaltete ich den Fernseher ein. Ein Märchenfilm über die Regentrude ging
gerade zu Ende und es folgten Nachrichten: Reagan heißt der neue Präsident der
USA. Die Regenration der Felder . . . . Ich korrigiere: Die Regeneration der Felder. .
. Dann hörte ich:
Extrem starke Regenfälle zu Beginn der Regenzeit hätten in mehreren Ländern zu Überschwemmungen geführt. Naturschützer befürchten eine Klimaänderung, wenn dem übermäßigen Abholzen des Regenwaldes nicht Einhalt geboten werde, ein umfangreiches Regengebiet überquerte Deutschland, auf regennassen Straßen ereigneten sich dabei zahlreiche Verkehrsunfälle .In höheren Lagen ist mit gefährlichem Eisregen zu rechnen. Ich hatte genug von diesem Regen, zumal eine neue Regenhusche niederging.
Das war gestern. Heute scheint es ein warmer, sonniger Tag zu werden.
(c) Dieter Rietz / Pirna
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