In seinem Wohnort war Laszlo der einzige, der eine Dreschmaschine besaß. Er half damit
Bauern in der näheren und weiteren Umgebung, wenn sie den Einsatz rechtzeitig angefordert
hatten. Als 1950 die Getreidemahd abgeschlossen und die abgetrockneten Garben in Diemen
aufgeschichtet waren, fuhr Laszlo mit seinem Traktor und der angehängten Dreschmaschine
auf das erste Feld. Kurz bevor der Drusch dort beendet war, meldete Laszlos Vorarbeiter
beim nächsten Bauern den Beginn der Arbeit an und erlaubte sich den Scherz, bei allen,
die er aufsuchte, mitzuteilen, dass Laszlo zu Mittag am liebsten Kürbissuppe esse. Den
Bauern war das recht, denn das kostete sie nicht viel. Für sie war es nämlich eine
ehrenvolle Pflicht, Laszlo zu beköstigen und zu beherbergen. Er wunderte sich, dass ihm
Tag für Tag das gleiche Gericht serviert wurde, sagte aber nichts. Nach einer Woche
endeten die Druscharbeiten und Laszlo konnte heimkehren. Seiner Frau war die Rückkehr
rechtzeitig durch den Vorarbeiter mitgeteilt worden und ihr gesagt, Laszlo wünsche zum
Empfang Kürbissuppe. Freudestrahlend sagte sie, sie habe für ihn sein Lieblingsgericht
gekocht. Laszlo stöhnte laut auf: Nicht schon wieder so was. Kürbissuppe bekam ich
sieben Tage hintereinander. Die kann ich nicht mehr riechen.
Ob Laszlo davon aß oder lieber hungerte und ob er dem Vorarbeiter wegen des Scherzes böse war, wurde mir nicht berichtet.
(c) Dieter Rietz / Pirna
zurück zur Seite Dieter Rietz
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite