In den ersten Jahren nach dem Krieg erfolgte in Manfreds Heimatstadt die Müllabfuhr
selten und unregelmäßig. Dadurch sammelten sich auf dem Hof schnell Müll und
Küchenabfälle. Ein Paradies für Ratten. In einer Ecke des Hofes abgelegtes Gerümpel
bot für sie ideale Verstecke. An eine Schuppenwand angelehnt stand ein ausrangiertes
gusseisernes Abflussrohr.
Eines Nachts hörten Manfreds Eltern Angstschreie eines jungen Kaninchens. Am Morgen sah der Vater, dass das Tier tot gebissen und angefressen war. Wie konnte eine Ratte in den Stall gelangen? Der Vater suchte die Stelle und verschloss sie mit einem Stück Blech. Nun waren die Kaninchen gesichert, aber die Ratten blieben.
Wochen später bemerkte der Vater, dass sich eine Ratte in dem Abflussrohr verkroch. Geschwind schüttete er Sand um das Rohrstück und legte oben darauf ein gusseisernes Wagenrad mit vier Löchern. Die Ratte war gefangen, verhielt sich aber ruhig. Dann wurde Manfred gerufen. Er sollte das Wagenrad festhalten, während der Vater mit einem Hammer gegen das Rohr schlug. Die Ratte wollte durch eines der Löcher fliehen. Nachdem sie in dem einen Meter hohen Rohrstück so hoch gesprungen war, dass sie mit der Schnauze einige Zentimeter durch eines der Löcher kam, stach der Vater mit einem Schraubenzieher durch ihren Kopf. Dann erschlug er sie mit dem Hammer. Die Todesschreie der Ratte vergraulten die anderen. Die Hausbewohner waren froh darüber und hofften, von nun an von den Plagegeistern veschont zu bleiben. Der Vater hatte Manfreds Angst, gebissen zu werden, bemerkt. Aber er beruhigte ihn und dankte für die Hilfe.
(c) Dieter Rietz / Pirna
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