Blutrot war die Sonne in der späten Abendstunde bereits schon am unteren Horizont des
azurblauen Himmels, den nur eine winzig kleine schneeweiße Wolke zierte, untergegangen,
als ein alter Greis gemessenen Schrittes gemächlich durch die auf beiden Seiten von
Bäumen gesäumte Allee tippelte, um zu dem viereckigen Quadrat seiner grasgrünen Wiese
zu gelangen, von der er seinen weißen Schimmel, den gelblichen Falben und den schwarzen
Rappen sowie seinen grauen Esel in den aus Steinen gemauerten Stall heim bringen wollte.
Begierig sog der Alte den angenehm riechenden Duft des inzwischen zu Heu gewordenen frisch
gemähten Grases ein, der von weiter Ferne zu ihm kam. Überraschend unerwartet senkte
sich pechschwarze Nacht blitzschnell auf die Erde, und nach der Gluthitze des Tages fegte
rasend eilig eiskalter Sturmwind über Feld und Flur. Das kurz zuvor noch im Laubgewirr
des unweit nahe liegenden Laubwaldes zu hören gewesene Singen eines Singvogels verstummte
abrupt jäh. Unheimlich ruhige Totenstille breitete sich aus. Dem Greis fröstelte in
seiner ärmellosen Weste, und mit kleinen Trippelschritten ging er zu dem schmalen
Rinnsal, großspurig Bach genannt, wo seine Tiere immer öfter weideten. Als Leckerbissen
brachte er seinen Pferden süßen Würfelzucker mit. Plötzlich stutzte er, denn er sah in
nächster Nähe den Feuerschein einer brennenden aus rohen Brettern gezimmerten
Holzhütte. Der Alte überlegte, seinen kreisrunden federleichten aus Bast geflochtenen
Strohhut schwenkend, ob er Alarm schlagen sollte, sagte sich aber, es habe keinen Sinn
nicht, weil bei seinem langsamen Schneckentempo sowieso jede Hilfe zu spät käme. Die
Balken würden sicherlich gewiss zu schwarzer Holzkohle werden, schwärzer als ein
dunkelhäutiger Neger. Bleischwere Gedanken krochen ins Gehirn des Greises. Hatten
Brandstifter den Brand angezündet? War der Schäfer, der dort meistens immer die
größere Zahl seiner Schafe grasen ließ, unvorsichtig unachtsam gewesen? Unvermutet
einsetzender Regen spülte die Gedanken des hochbetagten Alten fort, und bedächtig
stapfte er über das regennasse Gras weiter. In der rabenschwarzen stockdunklen Finsternis
konnte er seine Tiere nicht sehen. Der Alte sagte sich, es sei ein falscher Fehler
gewesen, so spät zu fortgeschrittener Stunde loszugehen und gab die Suche auf. Sicherlich
hatten seine Vierbeiner den Heimweg längst ohne seine Begleitung alleine heimgefunden.
Schreibenden Autoren wird empfehlend nahe gelegt, diesen Stil nicht nachahmend zu übernehmen.
(c) Dieter Rietz / Pirna
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